Blutverdünner und Zahnarzt
Sind Behandlungen trotz Marcumar & Co. möglich?
Wer dauerhaft blutverdünnende Medikamente einnimmt, fragt sich oft, wie sicher ein Zahnarztbesuch unter dieser Medikation ist. Gerade bei Eingriffen wie Zahnextraktionen, Parodontitis-Behandlungen oder dem Setzen von Implantaten ist besondere Sorgfalt gefragt – sowohl in der Planung als auch in der Durchführung. Die gute Nachricht: Auch mit Präparaten wie Marcumar o. Ä. sind zahnärztliche Behandlungen in der Regel gut möglich. Voraussetzung ist eine individuelle Einschätzung der Situation sowie gegebenenfalls eine enge Zusammenarbeit zwischen der Zahnarztpraxis und behandelnden Ärztinnen und Ärzten.
Über Blutverdünner
Sog. Antikoagulanzien sind Medikamente, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen. Sie kommen v. a. zum Einsatz, um die Bildung gefährlicher Blutgerinnsel zu verhindern – z. B. bei Vorhofflimmern, nach einem Herzinfarkt, einer Thrombose, bei künstlichen Herzklappen sowie bestimmten Gefäßerkrankungen.
Darüber hinaus werden sie auch zur Sekundärprophylaxe nach Schlaganfällen, zur Vorbeugung von Lungenembolien oder in der Krebstherapie (z. B. bei Tumor-assoziierter Thrombose) eingesetzt. Auch nach bestimmten orthopädischen Eingriffen wie Hüft- oder Knieprothesen werden oft Antikoagulanzien verabreicht, um das Risiko postoperativer Thrombosen zu senken.
Typische Wirkstoffe sind Marcumar (Phenprocoumon), Xarelto (Rivaroxaban), Eliquis (Apixaban), Pradaxa (Dabigatran), Lixiana (Edoxaban) oder auch ASS (Acetylsalicylsäure).
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Gruppen:
Thrombozytenaggregationshemmer
Medikamente wie z. B. ASS oder Clopidogrel beeinflussen die Verklumpung der Blutplättchen. Sie kommen häufig zur Vorbeugung von Herzinfarkten oder Schlaganfällen zum Einsatz.
Antikoagulanzien im engeren Sinne
Dazu zählen Vitamin-K-Antagonisten wie Marcumar sowie die modernen direkten oralen Antikoagulanzien (DOAKs) wie Xarelto, Eliquis, Lixiana oder Pradaxa. Sie hemmen gezielt Gerinnungsfaktoren im Blut.
Die Art des Blutverdünners entscheidet mit darüber, ob eine Pausierung zwecks eines invasiven Vorgehens notwendig ist und wie das Risiko eingeschätzt wird.
Das Zahnfleisch ist grundsätzlich ein sehr gut durchbluteter Körperbereich. Dadurch reagiert es empfindlich auf Reize – sei es durch Entzündungen, mechanische Belastung oder bestimmte Medikamente. Blutverdünner beeinflussen die Blutgerinnung im gesamten Körper, also auch im Bereich des Zahnfleisches.
Das bedeutet: Bereits kleinere Verletzungen führen häufiger zu Blutungen. Auch bei einer bereits bestehenden Zahnfleischentzündung (Gingivitis) oder Parodontitis verstärken Blutverdünner die Neigung zu Zahnfleischbluten.
Gleichzeitig kann anhaltendes Zahnfleischbluten ein Hinweis darauf sein, dass die Entzündung bereits fortgeschritten und damit nicht allein auf die Medikation zurückzuführen ist. Regelmäßige zahnärztliche Kontrollen und professionelle Reinigungen sind daher besonders wichtig, um Entzündungsquellen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, bevor sie das Zahnfleisch und den Kieferknochen schädigen.
Da Blutverdünner die natürliche Blutgerinnung verlangsamen, besteht bei chirurgischen Eingriffen ein erhöhtes Risiko für verstärkte oder unkontrollierte Blutungen – auch bei kleineren Maßnahmen wie Zahnextraktionen. Um Komplikationen zu vermeiden, prüfen behandelnde Ärztinnen und Ärzte im Vorfeld, ob und wie lange das Medikament pausiert, angepasst oder durch eine andere Substanz ersetzt werden sollte (z. B. durch sog. „Bridging“-Therapien mit Heparin).
Dabei gilt jedoch: Ein eigenständiges Absetzen der Blutverdünner ist gefährlich und kann zu schweren Komplikationen wie Schlaganfällen oder Lungenembolien führen. Jede Änderung muss immer ärztlich begleitet erfolgen – individuell abgestimmt auf das persönliche Risiko und die Art des Eingriffs.
Warum die professionelle Zahnreinigung gerade bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Blutverdünner-Einnahme so wichtig ist
Die professionelle Zahnreinigung (PZR) ist eine wichtige vorbeugende Maßnahme zur Gesunderhaltung von Zähnen und Zahnfleisch. Besonders in den Zahnfleischtaschen und an den Übergängen zu Kronen, Brücken oder Implantaten können sich bakterielle Beläge ansammeln, die Entzündungen auslösen. Im Zuge der Behandlung entfernen wir harte und weiche Beläge, reinigen schwer zugängliche Stellen und polieren die Zahnoberflächen.
Gerade für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die deshalb Blutverdünner einnehmen, ist eine regelmäßige PZR sinnvoll – und in vielen Fällen sogar medizinisch dringend angeraten. Denn eine unbehandelte Zahnfleischentzündung etwa kann nicht nur lokal Schäden verursachen, sondern auch Auswirkungen auf die Allgemeingesundheit haben. Die Zahnbetterkrankung Parodontitis, die vereinfacht gesagt durch bakterielle Beläge am Zahnfleischrand entsteht, führt zu einer chronischen Entzündung des Zahnhalteapparats und kann zudem langfristig Gewebe sowie Kieferknochen schädigen. Parodontitis steht außerdem in engem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder anderen Gefäßerkrankungen.
Wer also unter einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leidet, sollte der Mundgesundheit besondere Aufmerksamkeit schenken. Eine professionelle Zahnreinigung kann hier einen wichtigen Beitrag leisten und neben dem Schutz der Zähne auch das Herz entlasten.
Blutverdünner und Zahnarzt: Wie wirkt sich die Einnahme der Medikamente auf die PZR aus?
In der Regel lässt sich eine professionelle Zahnreinigung auch unter Blutverdünnung problemlos durchführen. Zwar kann es – etwa bei empfindlichem Zahnfleisch oder bereits bestehender Parodontitis – zu leichten Blutungen kommen, diese sind jedoch meist oberflächlich und gut kontrollierbar. Eine Unterbrechung der Medikation ist bei einer PZR nicht notwendig.
In unseren Zahnarztpraxen in Düsseldorf und Kaarst setzen wir bei der Reinigung auf das moderne Airflow®-Verfahren, das besonders sanft und zugleich gründlich arbeitet. Durch die Kombination aus warmem Wasser, feinem Pulverstrahl und Luftdruck lassen sich bakterielle Beläge selbst in tiefen Zahnfleischtaschen effektiv entfernen – ohne mechanischen Druck auf das Zahnfleisch auszuüben. Gerade bei Patientinnen und Patienten, die Blutverdünner einnehmen, bietet dieses Verfahren daher den Vorteil, das Risiko für mögliche Reizungen und Blutungen deutlich zu minimieren.
Wichtig ist dennoch, dass Sie uns vorab über die Einnahme blutverdünnender Medikamente informieren. So können wir die Behandlung individuell anpassen und gegebenenfalls noch schonender durchführen.
Blutverdünner und Zahnarzt: Wie ist das bei anderen Zahnbehandlungen?
Nicht nur bei der professionellen Zahnreinigung, sondern auch bei anderen zahnärztlichen Maßnahmen stellt sich die Frage, wie mit der Einnahme blutverdünnender Medikamente umzugehen ist. Hier ein Überblick über gängige Behandlungen:
Kontrolltermine sind grundsätzlich ohne Einschränkungen möglich. Auch bei der meist im Rahmen der Vorsorge durchgeführten Entfernung von Zahnstein ist in der Regel keine Anpassung der Blutverdünnung notwendig. Zwar kann es bei empfindlichem Zahnfleisch gelegentlich zu leichten Blutungen kommen, diese sind jedoch nur oberflächlich und lassen sich schnell stillen.
Bei der systematischen Parodontaltherapie kann es – je nach Schweregrad – zu leichteren oder stärkeren Blutungen kommen. In vielen Fällen kann die Behandlung dennoch unter laufender Blutverdünnung erfolgen. Wichtig ist eine sorgfältige Risikoabwägung in Absprache mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt sowie dem Team unserer Zahnarztpraxis.
Das Ziehen von Zähnen zählt zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen in der Zahnmedizin. Unter Einnahme von Blutverdünnern ist eine Extraktion in vielen Fällen möglich – allerdings nur nach sorgfältiger Risikoabwägung. Das Vorgehen wird individuell mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt abgestimmt.
Das Setzen von Implantaten gehört zu den invasiveren Eingriffen. Hier ist ebenfalls eine enge Zusammenarbeit zwischen unserer Praxis und Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt gefragt. Ob ein vorübergehendes Absetzen oder Umstellen der Medikation nötig ist (z. B. durch das „Bridging“), wird abhängig von Ihrem Blutungs- und Thromboserisiko individuell entschieden.
Auch im Bereich der Kieferorthopädie spielen Blutverdünner eine Rolle – insbesondere dann, wenn sich Behandlungen über einen längeren Zeitraum erstrecken. In unseren Zahnarztpraxen in Düsseldorf und Kaarst setzen wir verstärkt auf die Behandlung mit Alignern. Dabei handelt es sich um nahezu unsichtbare, herausnehmbare Kunststoffschienen.
Für Patientinnen und Patienten unter Blutverdünnung bieten sie gleich mehrere Vorteile: Aligner haben keine scharfen Brackets oder Drähte, die das Zahnfleisch verletzen könnten. Zudem sind sie schonender für das Weichgewebe. Dadurch bieten sie ein geringeres Risiko für Druckstellen und Blutungen. Die Schienen sind zudem herausnehmbar für die Zahnreinigung, was eine bessere Mundhygiene ermöglicht.
Gerade bei einer Behandlung mit Antikoagulanzien kann die Aligner-Therapie daher eine besonders geeignete kieferorthopädische Lösung sein.
Blutverdünner und Zahnarzt: Ihr Team von Zahn³ in Düsseldorf und Kaarst ist mit individuellen Lösungen für Sie da!
Blutverdünnende Medikamente müssen kein Hindernis für eine sichere und schonende Zahnbehandlung sein – vorausgesetzt, alle Maßnahmen werden gut geplant und auf Ihre individuelle Situation abgestimmt. In unseren Zahnarztpraxen in Düsseldorf und Kaarst nehmen wir uns die nötige Zeit, um Therapien auf Ihre Medikation abzustimmen.
Wir beraten Sie gerne und arbeiten bei Bedarf eng mit Ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten zusammen.
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